Mächtige
Gitarrengewitter zerschneiden die Luft. Das Berliner Trio
"Surrogat" spielt harten Rock und Punk, Erinnerungen an die
grandiosen Fehlfarben werden wach. Im Jahre 2000 sind Surrogat
die Neuentdeckung. Sänger und Komponist Patrick Wagner schreit
die Texte heraus: "Haus rocken, Wand durchbrechen, Leute gucken,
Welt verändern - wir haben viel vor". Das klingt nach Kompromisslosigkeit.
Bassist Tilo Schierz aus Heidelberg und Schlagzeugerin Mai-Linh
aus dem sonnigen Kalifornien, USA, ergänzen Patrick Wagner.
Der stammt aus der Pfalz und arbeitet seit vielen Jahren bei
Kitty Yo, dem Berliner Plattenlabel, das vor allem mit elektronischen
Klängen von sich Reden macht (Tarwater, to rococo rot). Übrigens
steht im Jahre 2001 das zehnjährige Jubiläum des Labels an.
Frage: Patrick, du bist schon sehr früh bei Kitty Yo
eingestiegen. Was waren die Gründe?
Patrick: Zunächst mal wollten wir uns um eine Musik
kümmern, die sonst niemand rausbringen wollte. Und den großen
Plattenfirmen ein Dorn im Auge sein - was wir so langsam geschafft
haben.
Frage: Inzwischen ist Surrogat aber bei Motor Music
gelandet...
Patrick: Das ist eine andere Geschichte. Für die eigene
Band zu arbeiten würde ich jedem empfehlen. Das geht bis zu
einem bestimmten Level. In unserem Fall hat es sich aber anders
entwickelt: Kitty Yo verkauft 80 Prozent seiner Platten im
Ausland und hat dort seine Erwartungen. Für die Surrogat-Platte
hatten wir Verkaufserwartung von 500 Stück, entsprechend war
das gar nicht mehr so interessant für meine Kollegen. Da gab
nicht die maximale Energie, die unsere Band und Platte erfordert.
Die Band hat die Platte fast komplett selbst finanziert.
Frage: Konntet ihr Produktionskosten selber vorstrecken?
Tilo: Nö, war ein ziemlicher Stress. Mit Wohnungskündigungen.
Mai-Linh ist tatsächlich rausgeflogen, ich war des öfteren
kurz davor. Versicherungen und ähnliche Dinge konnten wir
nicht mehr bezahlen.
Frage: Das ging wohl an Substanz?
Patrick: Ja, das war extrem unangenehm. Zwischen uns
drei gab es viele Streitereien, auch um Geld. Deswegen war
der Schritt zu Motor zu gehen der Beste. Motor hat sich das
mit uns einfacher vorgestellt. So langsam merken sie dass
wir anders funktionieren als andere Bands auf dem Label, wie
Sonic Youth oder Tocotronic etwa. Es ist ziemlich interessant.
Ich bin angenehm überrascht, dass wir jetzt noch ein Video
machen konnten, das nicht im Vertrag war. Und das, obwohl
wir die Verkaufserwartungen von Motor nicht ganz geschafft
haben.
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