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Das dritte Reich - Geschichte und Musik

CD-Kritik


Serie aus 6 CDs Trikont, München

Während in Deutschland alle Musik jenseits des Geschmacks der NSDAP-Führung als "entartet" galt, erlebten andere Länder die Entstehung einer neuen Musikkultur - die Vorboten der Popmusik, wenn man so will. Insbesondere in den USA liefen Songs im Radio mit Textzeilen wie: "I like bananas, because they have no bones". Das war 1935, zwei Jahre nach Hitlers Machtergreifung. Wer sich im "Dritten Reich" für derartige Musik interessierte und sich trotzdem Schellack-Platten besorgte, riskierte lebensbedrohende Sanktionen wie Haftstrafen in Gefängnis oder KZ.

Ein Auszug aus einem Brief ans Führer-Hauptquartier über die "Swing Jugend" in Hamburg: "Alle Rädelsführer ... unter den Lehrern diejenigen, die feindlich eingestellt sind und die Swing-Jugend unterstützen, sind in ein Konzentrationslager einzuweisen. Dort muss die Jugend zunächst einmal Prügel bekommen und dann in schärfster Form exerzieren und zur Arbeit angehalten werden. ... Der Aufenthalt im Konzentrationslager für diese Jugend muss ein längerer, 2-3 Jahre sein. Es muss klar sein, dass sie nie wieder studieren dürfen. Bei den Eltern ist nachzuforschen, wie weit sie das unterstützt haben. Haben sie es unterstützt, sind sie ebenfalls in ein KL zu verbringen und das Vermögen ist einzuziehen".

Als dann in den 50er Jahren auch Deutschland Zugang zu Jazz, Blues und populärer Musik fand, waren einige Songs längst Geschichte und blieben weitgehend ungehört.

Die Serie aus sechs CDs der rührigen Plattenfirma Trikont holt das nach und hilft, das Geschichtsbewusstsein ins richtige Licht zu rücken. Zum Beispiel die zweite CD der Reihe unter dem Motto "Novelty songs - crazy and obscure": Spike Jones' schnoddriger Song "Der Führer's face" gehört schlicht zur Allgemeinbildung, war es doch in Kriegszeiten ein Millionenhit der dazu anhält, Hitler ins Gesicht zu furzen. Auch Groucho Marx und Cab Calloway, Jimmy Durante und die Andrew Sisters sind zu hören.

Die sechste CD steht unter dem Motto "American Warsongs - Hitler and hell". Welch merkwürdige Blüten der amerikanische Patriotismus trieb, belegen Songs wie "Praise the lord and pass the ammunition", "A rodeo down in Tokyo and a round up in Old Berlin" oder "Stalin wasn't stallin'". Aber auch Marlene Dietrichs "Lilli Marleen" kommt zu Gehör.

Zusammen getragen hat das Material Werner Pieper, der auch jeder CD ein ausführliches Booklet geschrieben hat. Informationen über die Interpreten, Historisches und Textauszüge aus den Liedern sind zusammen getragen. Die Flashback-Reihe ist eine Meisterleistung, die da ansetzt wo Radiostationen mit biederer Mainstream-Kost versagen.

Die einzelnen Titel der Reihe:

Vol. 1: high & low - Drugsongs
Vol. 2: crazy & obscure - Noveltysongs
Vol. 3: hot & sexy - Copulationblues
Vol. 4: blue & lonely - Heratbrakers
Vol. 5: gospel & prayers - Halleluja
Vol. 6: hitler & hell - Warsongs

Label: Trikont (Indigo Vertrieb)

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Harald Fette (hf)

     
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